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1. Gipsmarkt:
REA-Gipse in Deutschland und Europa
1.1 REA-Gipse in Deutschland
1.1.1 REA-Gips-Mengen in Deutschland
In Deutschland fallen aktuell mindestens 7,5 Millionen Tonnen REA Gips pro Jahr an. Hierbei entfallen etwa 4,5 Mio Tonnen auf die neuen Bundesländer und rund 3 Millionen Tonnen auf die alten Bundesländer (Quellen: VEAG 2001, VGB 1992, ProMineral 1999). Dabei stammen in den neuen Bundesländern über 3,5 Millionen Tonnen REA-Gipse jährlich von nur vier Braunkohlekraftwerken der ehemaligen VEAG (Vereinigte Energiewerke AG), die nun zum Konzern Vaddenfall gehört.
In den Alten Bundesländern entfallen rund 1,5 Millionen Tonnen REA-Gipse auf vier Braunkohlekraftwerke der RWE (Rheinisch Westfälische Elektrizitätswerke) am Niederrhein (Quelle. ProMineral 2001), die auch weitere Großkraftwerke im Rhein-Ruhrgebiet betreibt. Große Kraftwerke auf Kohle- oder Ölbasis befinden sich auch im Maingebiet sowie in den meisten Städten mit größeren Industriebetrieben.
1.1.2 Laufzeiten der Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen
Von den vier Braunkohlekraftwerke der VEAG sind mit der Wende drei mit neuen sehr modernen Kraftwerksblöcken ausgestattet worden. Nur das Kraftwerk Jänschwalde wurde lediglich "renoviert" d.h. alte Kraftwerksblöcke wurden mit neuerer Technik ausgestattet, wozu auch Rauchgasentschwefelungs-Anlagen gehören. Somit werden in drei der vier Braunkohlekraftwerke die Rauchgasentschwefelungsanlagen noch für rund 40 Jahre in Betrieb sein. Lediglich beim Kraftwerk Jänschwalde werden die Anlagen in ca. 20 Jahren abgeschaltet werden. Allerdings werden hier bereits seit 5 Jahren Teile der anfallenden REA-Gipse deponiert, um den dort angesiedelten Gipswerken noch für 20 weitere Jahre über die Laufzeit des Kraftwerkes hinaus eine Rohstoffbasis zu garantieren.
Am Niederrhein plant die RWE AG den Neubau eines hochleistungsfähigen neuen Braunkohlekraftwerkes mit Rauchgasentschwefelung (mündl. Mitteilung RWE 2001). Je moderner die Kraftwerke und je höher der Wirkungsgrad, umso mehr REA-Gips fällt an. Braunkohle enthält darüber hinaus auch wesentlich mehr Schwefel als Steinkohle. Da der Trend beim Bau von heimischen Kraftwerken in den letzten 10 Jahren zunehmend zu Braunkohlekraftwerken ging, bei denen mehr Schwefel anfällt als bei Steinkohlekraftwerken, fällt in Deutschland wenigstens mittelfristig, also in den nächsten 40 Jahren, REA-Gips in großen Mengen an. Darüber hinaus ist das Kalkwaschverfahren auch zukünftig vermutlich das bevorzugt eingesetzte Verfahren bei Großkraftwerken, da es einen hohen Entschwefelungsgrad, eine hohe Betriebssicherheit, i.A. auch die beste Wirtschaftlichkeit aufweist (Beckert 1991). Ferner stehen in Deutschland große Mengen qualitativ hochwertige Kalksteinvorkommen für die Kalknasswäsche zur Verfügung (Beckert 1991). Somit ist bei einem bleibenden Bezug von Wärme- und Stromenergie aus Kohlekraftwerken (durch ein vorrangiges Ausscheiden von Atomkraftwerken) auch nach 40 Jahren noch mit REA-Gipsabfall in Deutschland zu rechnen.
1.1.3 Bedarf und Verfügbarkeit an Gips in Deutschland
Aktuelle Zahlen zum Verbrauch von Gips in Deutschland durch die deutsche Gipsindustrie liegen nicht vor. Helms (1995) nennt einen Verbrauch von 5,6 Millionen Tonnen Gips und Anhydrit für Deutschland im Jahr 1992. Im Bericht des Bundesministeriums für Wirtschaft (Hg) "Der Bergbau in der BRD 1995" wird für 1995 eine Förderung von 2,8 Millionen Natur-Gips und 0,8 Millionen Tonnen Natur-Anhydrit, also insgesamt 3,6 Millionen Tonnen in 1995, genannt. Davon erbrachten bayrische Bergbaubetriebe mit 35% der deutschen Förderung die höchste Förderrate für deutsche Bundesländer (BMW 1995). Daten des Bundesverbandes der Steine und Erdenindustrie (in: Bundesanstalt für Geowissenschaften 1998) geben für 1995 einen um 1 Million Tonnen höhere Förderung an. Daten aus den Jahren 1997 mit noch guter Konjunktur im Bau, dem Hauptabnehmer von Gips, wiesen nach Angaben des Bundesverbandes der Gipsindustrie Verbrauchszahlen von angeblich 9,7 Millionen Tonnen auf. Da die Baukonjunktur danach aber stark zurückgegangen ist, dürfte sich der Bedarf dem Angebot von aktuell über 7,5 Millionen Tonnen REA-Gips pro Jahr stark angenähert haben. Da aber bis heute erhebliche Mengen an Naturgips abgebaut werden, liegen REA-Gipse, z.B. von den Kraftwerken der neuen Bundesländer, auf Deponien. Die Entsorgungs-Firma ProMineral, eine 100 %ige Tochter der RWE, hat bereits 1999 für die Jahrtausendwende einen Überschuss von 1,95 Millionen Tonnen REA-Gips in den neuen Bundesländern errechnet, die nicht vermarktet werden können. Diese REA-Gipse werden seit 1999 z.T umsonst (z.B. vom Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig) abgegeben.
1.1.4 Export
Deutschland ist zum einen ein Exportland für fertige Gipsprodukte (Baustoffe und Spezialgipse). Zum anderen werden auch REA-Gipse als Gipsrohstoff exportiert. 1999 wurden ca. 700.000 t REA-Gips aus Deutschland nach Benelux, Frankreich und England transportiert. 550.000 Tonnen pro Jahr stammen aus den Rheinischen Braunkohle-Kraftwerken (ProMineral 1999), die wegen dem hohen Anfall an REA-Gipsen im Ruhrgebiet und am Niederrhein bereits in den 90er Jahren diesen Export in Länder mit "Gipsmangel" begonnen haben.
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