Die Karstkiller


 
 
 
 
 
 
     

Calziumsulfat (Gips und Anhydrit) gehört zu den billigsten Massenrohstoffen. Er wird weltweit im "großen Maßstab" gefördert und gehandelt, die Weltproduktion beträgt ungefähr 100 Millionen Tonnen.

Ebenso wie in der Zementindustrie werden große Teile des europäischen Gips-Marktes von einigen wenigen Unternehmen beherrscht.

So kontrolliert zum Beispiel British Plaster Board (BPB, mehr als 10000 Mitarbeiter weltweit) mehr als 30% des europäischen Marktes (mit Vertretungen in fast allen europäischen Ländern), Knauf und Lafarge (35000 Beschäftigte weltweit) etwas über bzw. unter 10% des europäischen Marktes. Heidelberger Zement ist mit ca. 22 Tsd. Mitarbeitern und fast 4 Mrd. EUR Umsatz der viertgrößte Baustoffkonzern der Welt.

Im Südharz gibt es nur noch sehr wenige klein- und mittelständische Unternehmen. Der Aufkauf durch internationale Konzerne ist auch hier schon weit fortgeschritten.

Folgende internationale Unternehmen
haben den Südharzer Gipskarst quasi
unter sich aufgeteilt:

  • Knauf
    (hierzu: Rump & Salzmann, Vereinigte Gipswerke Stadtoldendorf und die Wildgruber-Konkursmasse am Kohnstein)

  • British Plaster Board - BPB
    (hierzu: Rigips und Börgardts)

  • Heidelberger Zement
    (hierzu: Südharzer Gipswerk, Maxit)

  • Lafarge
    (hierzu: Turmgips-Würth)

  • Xella
    (hierzu: Fels - bezieht Naturgips für Fermacell-Platten u.U. vom Lichtenstein)
  "Südharzer Gipswerk" bei Ellrich, Thüringen, Firma Heidelberger Zement
 
 
 
 
                         
 
 
 
 
 
 
     

Mit dem Aufkauf von Rigips und Börgardts (Walkenried) vor einigen Jahren ist BPB zum größten Karstkiller im niedersächsichen Teil des Gipskarstes aufgestiegen. Börgardts firmiert jetzt unter dem Namen "BPB Formula". Die Firma betreibt aktuell acht Steinbrüche im niedersächsischen und einen Steinbruch im thüringer Gipskarst. Allein die in Niedersachsen der Firma schon genehmigten Steinbrüche haben noch für 16 Jahre Vorräte. Zum Abbau beantragt oder geplant hat Börgardts aber bereits 5 weitere wertvolle Karstflächen: den Röseberg Ost bei Walkenried, Flächen am Kipphäuser Berg bei Osterode-Ührde, den Bromberg ("Erweiterung Abbau Rüsselsee" unter 10 ha) bei Niedersachswerfen, sowie den Kuhberg (rund 20 ha) und Günzdorf (65 ha!) in der Rüdigsdorfer Schweiz bei Nordhausen.

Knauf hat mit dem Aufkauf von Rump & Salzmann, Steuerlein und dem Pleite gegangenen Werk von Wildgruber am Kohnstein seinen Beitrag zum Konzentrationsprozess geleistet. Allein in Thüringen hat die Firma für 90 Jahre Vorräte, für deren Abbau über 300 ha wertvolle Karstbuchenwälder im Alten Stolberg geopfert werden sollen. Knauf bemüht sich zur Zeit um eine massive Ausweitung des Steinbruchs "Hannersberg/Hopfenkuhle" (ehemals Fa. Rump und Salzmann) bei Ührde.

Der Multinationale Konzern Lafarge hat sich mit Turmgips-Würth nun ebenfalls Gebiete im Südharz (Kreuzstiege bei Osterode) gesichert und dort bereits einen wertvollen Trockenrasen zerstört.

 

 
 
 
 
Das Ende des Gipskarstes: nicht recycelter Gipsbauplatten-Bruch
 
Das Ende: nicht recycelter Gipsbauplatten-Bruch  
 
 
 
 
 
 
     

 

Während der Konzentrationsprozess die "Firmenlandschaft" immer übersichtlicher macht, führt der gleichzeitige Prozess der Verflechtung der Multis untereinander zu immer komplexeren Konglomeraten. Immer weniger Unternehmen durchdringen sich untereinander immer stärker.

Diese Situation macht das Auftreten von illegalen Preisabsprachen wahrscheinlich. Die Kartellbildung der europäischen Zementindustrie ist unter Wettbewerbshütern der Kartellämter bestens bekannt und berüchtigt.

Die Firma Heidelberger Zement wurde 1992 vom Europäischen Kartellamt zu einem Bußgeld von 112 Mio. DM verurteilt. In das System illegaler Absprachen waren die bedeutendsten europäischen Zementhersteller verwickelt. Obwohl die Baubranche seit jeher als besonders anfällig für Korruption und Kartellbildung gilt, waren die Kartellwächter vom Ausmaß dieses größten aller bisherigen Verfahren erstaunt; noch nie zuvor wurden die Gesetze der Marktwirtschaft so rigoros und ungeniert außer Kraft gesetzt.

Schon 1985 verurteilte die Europäische Kommission British Gypsum / BPB wegen Ausnutzung seiner marktberherrschenden Stellung zu einer Zahlung von über 3 Mio. ECU.

 

 
 
 
 
 
 
 

Bittere Ironie

Die Unternehmen berufen sich in ihren Forderungen nach einer von der Politik unreglementierten Rohstoffwahl auf die wohltuenden und ordnenen Kräfte des freien Marktes.

Der Konzentrations- und Verflechtungsprozess geht unvermindert weiter: jüngstes Beispiel: BPB-Rigips kaufte im März 2000 von Heidelberger Zement deren Dämmplatten-Sparte mit 6 Produktionsstandorten in Deutschland und vier weiteren in andern EU-Ländern.

 
 
 
                         
 
 
 


Text: KNU / Naturfreunde Niedersachsen / Stephan Röhl    -    Fotos:  © KNU / Stephan Röhl

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